Das Thema des Comic Clashs lautet:

DER SINN DES LEBENS

Teil 1: Eine kleine Einführung ins Thema

Der Akt der Zeugung wird meist als angenehm empfunden (von den Zeugenden). Ein mieser Trick der Natur. Spätestens nach der Entbindung geht es los: Man muss mit seinen Mitmenschen auskommen, sich seiner selbst bewusst werden und dabei noch gut aussehen. Mit viel Glück besteht das Leben aus vielen Orgasmen. Mit etwas Pech aus lauter obskuren Krankheiten. Die ersten Jahre verbringt man mit erfolgreichem Warten zwischen Geburtstag und Weihnachten. Aber schon bald wird verkündet: Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir. Und anstatt den Lernbegierigen ins Leben zu stecken, sitzt man dann doch den ganzen Tag in der Schule. Anschließend ein Austauschjahr in Amerika und einmal Trampen durch Indien. Nach der Rückkehr stellt man fest, dass irgendein sadistisches Arschloch etwas erfunden hat, was sich “Arbeiten und Geld verdienen“ nennt und dem man möglichst bis an sein Lebensende zu folgen hat. Während man sich noch nach der nächsten Beschwerdestelle umschaut, in der Überzeugung, dass das ja alles nur ein großes Missverständnis sein kann, beginnt der Verfall des eigenen Körpers. „Auch Du mein Sohn, Brutus“ murmelt man, während einen die Kinder anschreien, dass man ihnen gar nichts zu sagen hätte und die Sparkasse die überfällige Rate für die Reihenhaushälfte einfordert. Und anstatt sich am Ende des Lebens - in einem perfekten Körper und auf dem Höhepunkt seiner geistigen und sexuellen Möglichkeiten - in ein Feuerwerk aus Glühwürmchen aufzulösen, sitzt man mit Gleichaltrigen in Erwachsenen-Windeln im “Sankt Johanna Stift“ und spielt wieder mit Bauklötzchen. Kurz darauf sagt der Bestatter zu den untröstlichen Angehörigen: „Bitte beeilen sie sich! In 10 Minuten findet hier die nächste Trauerfeier statt!“

Und bitte was sollte DAS jetzt? Was ist denn der Sinn des Ganzen?

Meist klingelt just im Moment dieser Fragestellung die Religion mit mehr oder weniger obskuren Infobroschüren an der Haustür und fragt, ob sie helfen kann. Was sie anbietet ist oft nichts weiter, als ein weiteres Leben. Ein Ewiges diesmal. In diesem ewigen Leben fällt zwar die Angst vor dem Tod weg, allerdings hat man auch ewig Zeit, darüber nachzugrübeln, was denn nun der Sinn DIESES ewigen Lebens ist. Um das zu umgehen, ist der Eintritt ins Paradies meist mit dem Ausspeien des Apfels der Erkenntnis verbunden. Mit anderen Worten: Man wird wieder dumm und zufrieden und singt den ganzen Tag Lobpreisungen. Bis in alle Ewigkeit. Da das selbst den geistlichen Würdenträgern etwas fade erscheint, haben diese viel Zeit darauf verwendet, zu schildern, was einem geschieht, falls man diesen Zustand nicht erreicht. Das hat meist viel mit Feuer zu tun und Mistforken, die in unpassende Körperstellen eingeführt werden. Der Sinn des Lebens als die Vermeidung von (ewigen) Schmerzen?! Der Papst zuckt leicht peinlich berührt mit den Schultern. Aber es gibt ja noch andere Religionen. Die einen zum Beispiel in eine Lebensendlosschleife schicken. Das heißt, nach einem Leben voller Fragen und körperlichen Anstrengungen, passiert das Gleiche noch mal und dann nochmal. Mit etwas Glück als Schmetterling. Mit etwas Pech als Nacktmull. Wenn man sich ganz still verhält, quasi zum Stein wird, winkt einem die große Belohnung. „Ahhh, toll! Der Sinn des Lebens, endlich!“, denkt man und löst sich anschließend im Nichts auf. Man hat endlich Feierabend und kann anschließend noch nicht mal ein Bier trinken gehen. Weil man einfach verschwindet. Komplett. Im Nirwana. Auch hier keine Spur von Glühwürmchen.

Ganz Schlaue vertagen und lösen das Problem da lieber mit einem Handstreich. Sie pflanzen sich ab den ersten Anzeichen des Alterns fort. Sie machen Kinder, kleine Abbilder ihrer selbst, die sich dann mit den gleichen Fragestellungen herumschlagen können (s.o.). Die glücklichen Eltern betrachten zufrieden und panisch zugleich das Aufwachsen ihres Werkes. Und fragen sich insgeheim: Wie viele Kinder sind notwendig? Führen kinderreiche Familien ein noch sinnvolleres Leben?! Und sind zeugungsunfähige Menschen und Homosexuelle sofort aus dem Rennen um den Sinn des Lebens? Oder kann man das durch das Aufziehen eines (fremden) Kindes ausgleichen? Und wie viele adoptierte Kinder zählen dann wie ein echtes unterm Strich in der Lebens-Sinnrechnung? Oder zählt die gute Tat? Aber wer bescheinigt einem diese? Also doch wieder Gott? Oder das Finanzamt? Oder kann man sich das selber ausstellen? Dass man sich am Ende zufrieden auf dem Sterbebett zurücklehnen und seufzend feststellen kann: „Ich habe alles richtig gemacht!“ … Oh Gott! Da fällt mir auf, ich war noch nie auf Hawaii surfen. In Afrika war ich auch noch nie und Gruppensex kenne ich nur vom Hörensagen. Mist! Mist! Mist! Wo ist meine Liste mit den 10 Dingen, die ich noch vor meinem Tod tun will?! Aber was ist, wenn ich am Ende meiner Tage senil bin? Dann kann ich ja gar nicht stolz auf meine abgehakte Liste blicken und mich zurücklehnen, um zufrieden zu seufzen. Aber die Ruhe des erfüllten Lebenssinns kann ich doch erst empfinden, wenn ich alles abgehakt habe. Nichts verpasst. Und ich bin schon … Jahre alt (hier bitte beliebige Zahl einsetzen). Und: Wenn ich alles getan habe, was bleibt dann noch? Wird das dann nicht öde? Am besten ich lasse das mit der Liste und lebe lieber in großen Werken fort. Wie Vincent van Gogh und Kurt Cobain. Die waren bestimmt glücklich.

Also was ist er denn nun, der Sinn des Lebens? Mir ist schwindelig? Verehrte Damen und Herren, liebe Comicschaffenden! Wir wollen dieses lästige Problem ein für alle Mal klären, um danach wieder in Ruhe auf Hawaii surfen gehen zu können. Und wer sollte es klären, wenn nicht wir? Die Betreiber der schwierigsten und komplexesten (wenn auch nicht der höchsten) aller Künste?! Ich weiß, dass Ihr das könnt!

PS: Und übrigens: Die Zahl 42 ist es schon mal nicht. Ich habe es ausprobiert. Aber was dann?

A.Hartung

Teil 2 - Was andere meinen bereits herausgefunden zu haben

„Life is a lemon and I want my money back“ Meatloaf (Philosoph)

„42“ Deep Thought (intelligente Kaffeemaschine)

„Seht euch die Vögel des Himmels an: Sie säen nicht, sie ernten nicht und sammeln keine Vorräte in Scheunen; euer himmlischer Vater ernährt sie. Seid ihr nicht viel mehr wert als sie?“ Matthäus 2,6 (Sozialdarwinist)

„Seien Sie nett zu ihren Nachbarn, vermeiden Sie fettes Essen, lesen Sie ein paar gute Bücher, machen Sie Spaziergänge und versuchen Sie, in Frieden und Harmonie mit Menschen jeden Glaubens und jeder Nation zu leben.“
Monty Python (britischer Kegelverein)

„Wie kann man ein Leben lang nach der GELEGENHEIT suchen ohne zu merken, dass der entscheidende Augenblick, derjenige, der Geburt und Tod rechtfertigt, schon vorbei ist? Er kommt nicht wieder, aber er ist dagewesen, unaustilgbar, rund und voll, glänzend und generös wie jede Offenbarung.“ Umberto Eco (Klugscheißer)